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„Funk- und Hemdensitzung" der Eintracht: Tolle Büttenreden, fetzige Tanz- und Gesangseinlagen und ein „echter“ Ministerpräsident hielt seine Antrittsrede.


Bereits zum 12. Mal erschallte bei der „Funk- und Hemdensitzung“ das Evergreen-Motto „Alles lacht – Eintracht“ markerschütternd intoniert durch Sitzungspräsident Fred durch das erneut festlich dekorierte Sportheimwohnzimmer. Aus der "Dürmer Faschenaacht" ist diese Veranstaltung der Eintracht '93 Walldürn nicht mehr wegzudenken. Mit einer Mischung aus fetzigen Tanz- und Gesangseinlagen und zündenden Büttenreden zieht die vermutlich unkonventionellste Prunksitzung der Region das närrische Volk seit inzwischen zwölf Jahren in Scharen an. Kein Wunder also, dass das Eintracht-Clubheim am vergangenen Samstag unter dem Motto "Ist das Dutzend erst mal voll, treibt's die Eintracht wieder toll" aus allen Nähten platzte.

Unkonventionelles Prinzenpaar

Nach dem der närrische Hofstaat unter Führung von Sitzungspräsi Fred (Manfred Schärpf) unter den schmissigen Klängen des Narhallamarsches pünktlichst um 20. Uhr „schlagmichtot“ eingezogen war hieß es erst einmal Bühne frei für das nicht ganz den üblichen Konventionen entsprechende Prinzenpaar der Eintracht. Mit Prinz Estrich von den heißen Rädern (Stefan Trabold) und Prinzessin Normania I. vom Torpfosten (Norman Rusnak) durften diesmal zwei Hoheiten aus dem "Geschlecht der alten Herren" das Zepter schwingen. Selten war wohl Prinzenpaar tänzerisch so auf der Höhe und auch ansonsten „voll“ während der ganzen Sitzung dabei. Der zierliche Prinz wurde von seiner Gattin persönlich auf den Thron gehievt. Protokollarisch unterstützt wurden die Tollitäten von den beiden "blauen Dorschtels" der Eintracht-Männergarde Benjamin Strasser und Thorsten Mechler.
Humorvoll moderiert wurde dieser Abend von Präsident Fred I. vom Sprecherhäuschle, der mit der Unterstützung seines Zwei-Mann-Elferrats (Christian „Spreiz“enbarth und „Ad“ Sebastian Berberich) und den beiden Kult-DJs Maio und Crazy im Orchestergraben wieder gekonnt durch das Programm führte und nebenbei auch noch selbst in die Bütt stieg. Sein traditionell recht bissiger Rundumschlag gemäß dem Motto „lieber die rote Laterne als gar kein Licht“ nahm er die sportliche Talfahrt des vergangenen Jahres auf die Schippe, mäkelte an seiner Degradierung zum Platzansager in der Kreisliga herum und zeigte dem Narrenvolk doch noch verblüffende Perspektiven für die Zukunft auf. Schließlich sei die FG „Fideler Aff“ inzwischen fest in Eintracht-Hand und könne doch als neue Abteilung eingegliedert werden.

Pantoffelheld aus Hainstadt

Sorgen ganz anderer Art hatte Peter Bleifuß im Gepäck. Als "ein Pantoffelheld aus Hainstadt" berichtete er über manchen Stolperstein auf dem Weg in den Hafen der Ehe. Angefangen vom verkorksten Junggesellenabschied bis hin zur Fahrt in der Hochzeitskutsche - seinem ganz persönlichen "Leichenwagen der Freiheit". Denn wie recht sollte doch der Standesbeamte behalten, als er sagte: "Dieser Tag wird Ihnen ewig gedenken." Zuvor hatte Eintracht Vorsitzender Jürgen Mellinger als "ein Stadtrat" das Walldürner Stadtgeschehen aufs Korn genommen und weder den Pfarrheimumbau noch die Schwimmbadeinweihung ungeschoren gelassen.
Eine erste kurze Verschnaufpause verschaffte den Lachmuskeln die Männerauslese der FG "Fideler Aff", die mit ihrem farbenfrohen Tanz "Sindbad der Seefahrer" den Showteil eröffnete. Aus seiner Schulzeit plauderte anschließend ein gern gesehener Dauergast im Narrentempel der Eintracht und stellte sein Publikum vor knifflige Denksportaufgaben. Die Rede ist natürlich vom Höpfinger Büttenass Wolfgang König, der als "ein Mann vom Klassentreffen" so manche Ungereimtheit der deutschen Sprache aufdeckte. Oder wie kann es denn sonst sein, dass ein Aufzug abwärtsfährt, Faulenzen ein Tätigkeitswort ist und eine Kauffrau trotzdem eine kaufmännische Ausbildung machen muss?
Fragen, die sich für den "Helmut aus Mannem" alias Simon Schmeiser so erst gar nicht stellen. Ist er doch viel zu viel damit beschäftigt, Klischees abzubauen und die kulturellen Vorzüge der Quadratestadt über den grünen Klee zu loben. Ganz im Gegensatz zu Ludwigshafen, denn "iwer die Brigg" bekommt ihn keiner so schnell. Nach der obligatorischen Ehrung der Honoratioren brachte dann zum ersten Mal eine eigene Schautanzgruppe der EINTRACHT Seniorenspieler ganz viel Schwung in den Narrentempel und bewies mit ihrem Tanz "Typisch Mann" ganz nebenbei, dass sich auch das "starke" Geschlecht einigermaßen trittsicher über das Parkett bewegen kann. Bleibt echt zu hoffen, dass Knodder, Buschi & Co. auch nächstes Jahr wieder dabei sein werden.

Tratschweiber in Hochform

Den Saal beinahe zum Kochen brachte schließlich kein geringerer als DJ Ötzi alias Simon Amend aus Zimmern mit seinen Hits "Hey Baby", "Sweet Caroline" und "Ein Stern" und bereitete so den Boden für ein Duo, das bei keiner Eintracht-Sitzung fehlen darf: die Tratschweiber Gerda und Rita.
Und da die beiden Originale diesmal eher Auswärtstermine vorzogen, schlüpften kurzerhand Rolf Günther und Manfred Schärpf in deren Rollen. "Keineswegs schüchtern, aber auch nicht mehr ganz nüchtern" lästerten sie über ihre Männer, witzelten über den Walldürner Wochenmarkt als "Ort der Einsamkeit" und kamen schließlich beim Thema Gesundheit zu bemerkenswerten Schlussfolgerungen: "Sport füllt Särge und Urnen." Nach diesem tollen Vortrag folgte was kommen mußte - die traditionelle Gags-und Witzeschlacht zwischen Rolf und Fred, egal ob Polizei, Beamtentum oder Fußball gegenseitig warf man sich minutenlang die heftigsten Kalauer an die Köpfe, das Publikum hatte dabei vielfach Tränen in den Augen.

Den furiosen Schlusspunkt der Sitzung bildete schließlich die Stippvisite des frisch gewählten spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy in der Walldürner Fußballhochburg. Mit südländischem Temperament und vor allem Akzent richtete sich der Regierungschef in Person des Walldürner Kabarettisten Matthias Schenk in seiner "Rede von gestern" an das närrische Volk. Trotz viel zu schnell eingestelltem Mikrofon knöpfte er sich im Stile eines knallharten Politikers die Führungsriege der Eintracht vor und machte selbst vor der närrischen Kulisse nicht halt: "Liebe Amigos und Amigosines, Sie sind mit Abstand das bekloppteste Publikum." Dem langanhaltenden Beifall, der beim anschließenden großen Finale noch einmal allen Akteuren galt, tat das freilich keinen Abbruch. Im Gegenteil.

Zum großen Finale kamen alle Aktiven noch einmal zusammen um mit dem Klassiker „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ per umjubelten Auszug einen äußerst unterhaltsamen Abend zu beenden.Bei der Eintracht war allerdings noch lange nicht vorbei, denn die beiden DJ’s Crazy und Maio zeigten erneut ihr Stimmungstalent und heizten der tanzhungrigen Meute nochmals kräftig ein. So wurde im Clubheim getanzt, gelacht und gesungen bis in die frühen Morgenstunden.

(Quelle RNZ/FN rs/mm)

   
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